Ortsgeschichte Sieden / Schamwege
Aus der Geschichte unserer Heimat
| 700-Jahre Borstel | Urkunde | Schatz im Acker | Holländermühle | Wappen | Bodenschätze | Ortschroniken |
Der Name des Dorfes Sieden kommt aus dem Niederdeutschen „sied" und bedeutet eine niedrige, tiefliegende Gegend. Dass „ene" der alten Form „Sydene" ist wahrscheinlich eine uralte Gewässernamen-Endung wie „inan" oder „ana" und hängt mit dem germanischen Wort „aha", „ahe", „a", später „aue" oder „owe" für wasserreiches Wiesenland, Wasser, Bach oder feuchte Niederung zusammen. Vielleicht ist der Name Sieden (Sydene, Siden, Sydende, Zidene) ein Hinweis darauf, dass das Dorf an dem Bach „Siede", der in alten Urkunden verzeichnet ist, liegt. Der ursprüngliche Name könnte also eine uralte Siedlung beweisen. Das Dorf liegt am Rande der sogenannten Hoyaer Geestplatte, einer Grundmoräne der Eiszeit, etwa 40 m über NN.
Archäologische Funde eines Totenfeldes bei der Mühle lassen auch für Schamwege ein altes Siedlungsgebiet vermuten. Nach LUTOSCH bedeutet die Endung „wede", später „wege" ursprünglich Wald, Gehölz, Holz (vgl. engl. "wood"). Die Geschichte von Sieden und Schamwege ist die Geschichte der Bauern. Ihre Einwohner haben zu allen Zeiten direkt oder indirekt von der Landwirtschaft gelebt. Selbst die Edelherren, die der Überlieferung nach in Sieden ihren Edelhof gehabt haben, lebten von ihrem landwirtschaftlichen Betrieb und von den Abgaben der in Erbpacht gegebenen Höfe (Meierrecht).
Die ältesten Urkunden stammen aus dem frühen Mittelalter. Beim Verkauf von Gütern der Grafen von Oldenburg wird der Grenz-Fluss „Sydene" mit einer Brücke bereits 1216 und 124 erwähnt.
Die Amtsbeschreibung Siedenburg von 1583 nennt für Sieden 11 Feuerstellen, die Qualität der Höfe und wohin sie zinspflichtig waren.
1582 begannen die Streitigkeiten der Ämter Siedenburg und Nienburg um ihre Abgrenzung und Zuständigkeit in den Dörfern Sieden, Schamwege, Campen, Brockhoff und Päpsen, denn bei der Aufteilung der Grafschaft Hoya war die Siede als Grenze zwischen der Ober- und Niedergrafschaft festgelegt worden. Die Auseinandersetzungen müssen sehr heftig gewesen sein. Der damalige Drost des Amtes Siedenburg verbot „bei Verlust Leibs und Guts" den Einwohnern der fünf strittigen Ortschaften, das von alters her für diese zuständige Landgericht „Zur Lohe" (Marklohe) zu besuchen. Schließlich wurden die Ortschaften dem Amte Nienburg zugelegt, dem nun auch die Steuern zu leisten waren. Die Leibeigenschaft gegenüber dem „Haus-Siedenburg" blieb allerdings bestehen.
Das Schatzregister aus dem Jahre 1616 nennt für die Ortschaft Sieden 15 Höfe.Im 30-jährigen Kriege lagen viele Höfe in Asche und die Besitzer waren verschwunden. Sie waren entweder dem Hunger, Seuchen, Mord zum Opfer gefallen oder hatten einfach ihre verbrannten Höfe verlassen. Wegen dieses Verlassens der Höfe beklagte sich in den Jahren 1644 und 1645 das Amt Siedenburg bei dem Landesfürsten. Diese Landflucht muss auch nach dem Kriege fortgedauert haben, denn die Landesherren, die Herzöge Christian Ludwig und Georg Wilhelm erließen 1656 eine Verfügung gegen das Verlassen der Höfe.
Die Belastung der Bauern war groß. Auch der Landesherr verlangte seine Steuern wie Bede-, Pflüg-, Hufon-, Viehschatz usw. Nach dem 30-jährigen Kriege wurde ersatzweise die Kontribution (eine Art Grundsteuer) eingeführt. Recht lästig war auch der streng gehandhabte Mühlenzwang. Alle Dörfer waren bestimmten Mühlen zugewiesen, dievon der Landesherrschaft meistbietend in Erbpacht gegeben wurden (Erbzinsmühle). Die Siedener und Schamweger mussten ihr Korn in Siedenburg mahlen lassen. Als der Mühlenzwang 1862 aufgehoben wurde, bauten die drei Schamweger Bauern Rottmann, Brockhoff und Buchholz auf der Borsteler Heide eine eigene Mühle mit Wohnhaus für den Müller. 1925 brannte diese Mühle unter mysteriösen Umständen ab. Der ledige Müller Windeis kam dabei um. Sein Vater war als Müllergeselle von den Bauern angestellt worden und hatte die Mühle dann gekauft.
Schulhaus Sieden von 1754 Um den Siedener Kindern den langen Schulweg nach Borstel zu ersparen, baute die Ortschaft Sieden im Jahr 1754 ein Schulhaus. Anlässlich der 200-Jahrfeier erzählte Lehrer Buhre, dass die Schule seinerzeit aus Balken der abgerissenen Borsteler Pfarrscheune errichtet wurde. Anfangs bestand die Schule aus einer kleinen Schulstube und einem Wohnzimmer für den Lehrer. Im Laufe der Zeit musste das Schulhaus jedoch umgebaut und vergrößert worden. Erster Lehrer war der ausgediente und kriegsverletzte Soldat F. Graue. 30 Jahre lang gab er in Sieden Unterricht. Der zweite Lehrer kam aus Kämpen. Er hieß Denker und war Bauer.
Um 1800 erhielt der Siedener Lehrer von 18 Kindern je 12 Mariengroschen, Eier und Weihnachtsgeld. Der Nebenverdienst der Lehrer aus jenen Tagen war die Ernte des Bienenstandes.Die Landgemeindeordnung vom 28. 4. 1859 schuf die Gemeinden im heutigen Sinne. Aus den beiden selbständigen Dorfschaften Sieden und Schamwege entstand die Gemeinde „Sieden-Schamwege". Ein Gemeindevorsteher wurde für sechs Jahre von der Gemeindeversammlung gewählt. Stimmberechtigt waren die Angesessenen, die einen Hof oder Wohnhaus besaßen sowie selbständige und unbescholtene Männer, die in der Gemeinde einen Haushalt führten und keine öffentliche Armenunterstützung erhielten. Das Stimmrecht ruhte für diejenigen, die mit den Gemeindeabgaben im Rückstande waren oder nicht zu den Gemeindelasten beizutragen hatten. Im Jahre 1919 wurde das Klassenwahlrecht abgeschafft und das allgemeine Wahlrecht eingeführt. In Sieden wählte man am 19.10.1919 erstmalig einen Gemeindeausschuss mit sechs Mitgliedern. Für den Abschluss eines Elektrizitätsversorgungsvertrages mit dem Kreis Nienburg entschied die Gemeindeversammlung am 16. 7. 1919 noch nach dem alten Wahlrecht mit 350 gegen 6 Stimmen. Der Petroleummangel während des 1. Weltkrieges hatte den Wunsch nach einer Elektrizitätsversorgung gefördert.
(Quellennachweis: Geschichte des Kirchenspiels Borstel, Band 1, Hersg. Heimatverein Borstel e.V., 12/1990, Seite 68 ff)
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