Borstel - über 700 Jahre alt!

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Sprachgeschichtlich setzt sich Borstel aus „bur" und „stal" zusammen. „Bur" ist althochdeutsch als starkes Maskulinum mit der Bedeutung „Haus", „Wohnung", mittelneudeutsch ebenfalls mit „Haus", „Ansiedlung" zu übersetzen. Es ist zu unterscheiden vom schwachen Maskulinum „bure", der Landmann. „Stal" bedeutet ursprünglich nicht „Stall" im heutigen Sinne, sondern „Standort", „Stelle", „Platz". Somit ist Borstel ein alter „Wohnplatz". Diese Wortbildung macht keinen altsächsischen Eindruck; weder bur noch stal ist in altsächsischen Literaturwerken anzutreffen. Frühestens im 11. Jahrhundert erscheint der Name für unbedeutende Klein- oder Kleinstdörfer in offenbar kaum besiedelten Wald- oder Heidegebieten Norddeutschlands. Aus ersten Siedlungen konnten sie sich teilweise zu Pfarrdörfern entwickeln.
Urkunde v. 1302
Auszug aus dem Hoyaer Urkundenbuch.Klicken Sie auf die Urkunde um sie lesen zu können

Bis in die Neuzeit wurden Hofgründungen in bisher unbesiedelter Heide als Borstel bezeichnet. Die meisten der frühen Gründungen sind hier urkundlich zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert belegt. Nach LUTOSCH sollen die Borstel-Orte insgesamt vom 9. bis ins 13./14. Jahrhundert entstanden sein. Dabei hat sich die Schreibweise von Burstolde (1123) über Borstole (1148) und Burstold (1150) zu Borstolde (1275) geändert.
Alle diese Angaben treffen auf unser Borstel zu und unterstützen die Vermutung, dass die erste Ansiedlung bereits im frühen 13. Jahrhundert erfolgt ist. Die bisher bekannte älteste Urkunde stammt allerdings erst aus dem Jahre 1302 (Hoyaer Urkundenbuch, Hannover 1855, 1/40).
Die Missionierung unseres Landes erfolgte von Fulda aus. Borstel lag im Bereich des Bistums Minden, welches 790 zum Bistum erhoben wurde. Als Diözesangrenze zum Bistum Bremen galt zwischen Weser und Hunte der „Folcwech" (1050), der das Grenzkirchspiel Staffhorst (mit Borstel) berührte. Aus dieser Zeit wird von der ersten Besiedlung unseres Gebietes berichtet. Über das Archidiakonat Lohe findet sich erst 1263 ein Hinweis.
Begünstigt durch Rodungen in den weiten Wald- und Bruchgebieten unserer Heimat und politische Freiräume bauten die Grundherren im 12. und 13. Jahrhundert teilweise eigene Kirchen, die aus ihren Mitteln unterhalten wurden. Ähnlich mag auch die Borsteler Feldsteinkirche entstanden sein, deren Bau auf die Mitte des 13. Jahrhunderts geschätzt wird. Diese Kirchen dienten oft der Grablege, wobei nicht selten neben Maria St. Nikolaus zum Schutzheiligen gewählt wurde. Dass sich solche Kapellen zu Pfarrkirchen entwickeln konnten, ist bekannt. Leider ist die eindeutige Identifizierung des Erbauers und Patrons der Borsteler Kirche „Sweder von der Wisch" noch nicht gelungen.
Das Studium der vorliegenden Urkunden gibt Anlass zu einer früheren Einordnung der Entstehung unseres Kirchspiels. In der Lehensurkunde von 1302 (HU 1/40) führt der Graf von Hoya Güter auf, „die wir von unserem Herzog früher als Lohen empfangen", darunter das „domus in Borstolde". Auch die 1266 verkauften Schamweger Güter sind natürlich älteren Datums. Bereits im Jahre 1216 wird der Fluss „Sydene" als Abgrenzung eines Gebietes beschrieben, das zum Hallermundschen Erbe der Oldenburger Grafen gehörte, welches diese 1241 an den Bischof der Kirche von Minden verkauften, der hier bereits lange vor dieser Zeit „angesessen gewesen" sei (Manecke S. 95). Durch geschickte Politik und Kauf kam das Land später in den Besitz der Grafen von Hoya.
Aus der Regierungszeit des Grafen Heinrich von Hoya (1202 bis 1235) stammt eine Urkunde über Ludger von Borstel, der in Hagen bei Neustadt auf einem Lehnshofder Grafen von Hoya wohnte und sich nach dem westlich von Nienburg gelegenen Orte Borstel nannte. Die Urkunde (HU VIII,41 u. Cal.UB 39) beinhaltet einen Versöhnungsbrief mit dem Kloster Loccum und wurde vor übereinstimmenden Zeugen in Nienburg ausgestellt. Nienburg wurde 1225 Civitas der Grafen von Hoya und damit Ausfertigungsort zahlreicher Urkunden. Unmittelbare Nachbarorte besitzen Urkunden aus den Jahren 1029 (Brake), 1069 (Staffhorst), 1171 (Campen mit einem möglichen Hinweis auf das Geschlecht derer von Campen in Jordanus dapifer -HU V/l), 1266 (Schamwege) und 1294 (Siedenburg).
(Quellennachweis: Geschichte des Kirchenspiels Borstel, Band 2, Hersg. Heimatverein Borstel e.V., 12/2000,  Seite 12/13)

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