Der Schatz im Acker
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Kaum bekannt, doch für Borstel ist es eigentlich eine Sensation: In Borstel ist ein Münzschatz gefunden worden!
Es war Mitte Juni 1992. Auf einem Grundstück hinter unserem Hof sollen kleine Heidelbeerpflanzen zum Verschulen auf ein Beetgepflanzt werden. Zur Vorbereitung wurde sehr tief gepflügt, Torf aufgebracht und dann mit einer Bodenfräse ordentlich durchgearbeitet. Unsere Mitarbeiterin Helga und ich haben dann die kleinen Pflanzen auf Knien sitzend in das Beet gesetzt. Bei schönem Wetter waren wir fröhlich bei der Arbeit, als Helga plötzlich sagte: „Was sind denn das für komische, kleine, grüne Plastikplättchen?" Nach genauer Betrachtung konnte man erkennen, es waren alte, stark mit Grünspan besetzte kleine Silbermünzen von ca. 1 cm Durchmesser. Neugierig geworden, fingen wir an zu suchen. Es wurden immer mehr Münzen, einige nicht oxydierte, blanke Goldmünzen kamen zum Vorschein, auch einige Silberstücke von ca. 3 cm Durchmesser waren dabei. Mit den Pflanzarbeiten auf diesem Beet war nun Schluss, erst mussten die Münzen geborgen werden. Am nächsten Tag ging die Suche los, mit Spaten und Schaufel wurde nachgegraben. Auch Nachbars Anne und Imme waren dabei. Die Suche gestaltete sich als sehr schwierig, weil die Münzen bei der Bodenbearbeitung durch den Pflug und die stark bodenmischende Fräse auf einer Länge von ca. 50 Meter auf dem Acker verteilt waren. Bei der Suche konnten wir feststellen, dass an einer Stelle mehr Heinrich Husmann mit Anne u. Imme Münzen zu finden waren als an anderen Stellen. Dort musste der Ursprung der Münzen sein. An dieser Stelle haben wir dann tiefer nachgegraben und wir fanden in ca. 30 cm Tiefe einen vom Pflug durchgeschnittenen Teil eines Tongefäßes. Das erklärte auch die Herkunft der Tonscherben, die auf dem Beet lagen. Ein Teil der Geldstücke war noch in dem Tontopf enthalten. Die Teile des Tontopfes haben wir, obwohl sie sehr zerstückelt waren, sorgfältig eingesammelt und aufbewahrt, vielleicht könnte man den Topf ja wieder zusammensetzen. Nach weiterer intensiver Suche in den nächsten Tagen hatten wir 945 Münzen gefunden, darunter
16 Goldmünzen
92 silberne Groschenmünzen
826 silberne Swaren (Pfennige).Da war er nun, der Schatz von Borstel! Und wem gehörte er jetzt? Wenn Finder und Grundeigentümer eine Person sind, gehört der Fund in Niedersachsen dem Grundeigentümer und Finder. Und was mit dem Schatz machen? Nach Aussage von Herrn Pfahl, damaliger Leiter des Museums in Hoya, wäre es sinnvoll, sich an das Münzkabinett des Niedersächsischen Landesmuseums in Hannover zu wenden.
Nach mehreren Gesprächen mit Herrn Rainer Cunz, dem Leiter des Niedersächsischen Münzkabinetts, wurden die Münzen am 6. Juli 1992 dem Landesmuseum Hannover zur Reinigung, Bearbeitung und Auswertung übergeben. Dort wurden sie gereinigt und sehen jetzt wieder sehr ordentlich aus. Auch das Tongefäß ist wieder restauriert worden. Auf Empfehlung von Herrn Cunz wurde Herr Dr. Gerald Steffke, Münzsachverständiger aus Hamburg, 1994 beauftragt eine erste Einordnung und Datierung des Münzschatzes vorzunehmen.HEINRICH HUSMANN
Auszug aus dem Bericht von DR. GERALD STFFFKF, HAMBURG
Die Sortenzusammensetzung der Silbermünzen des Fundes entspricht dem, was man nach einer stadtbremischen schriftlichen Quelle von 1466 auch für das Umland erwarten durfte: Bremer Swaren und oldenburgische Groten als die Kern-Sorten.
Es scheint sich bei dem Münzbestand um Ersparnisse, mutmaßlich die eines Borsteler Bauern zu handeln. Von „Vermögen" in einem ernstzunehmenden Sinn des Wortes kann nicht die Rede sein: Der Bestand lässt sich überschlägig mit etwa 25 Bremer Mark bewerten, wovon auf die über 900 Silbermünzen nur etwa ein Drittel entfällt (5 Sware = 1 Grote, 32 Grote = 1 Mark). Davon mag eine Familie ein Jahr lang notdürftig habe leben können; für zwei aufeinander folgende Jahre schwerer Teuerung hätte es gewiss nicht gereicht.
DR. GERALD STFFFKF, HAMBURG(Quellennachweis: Geschichte des Kirchenspiels Borstel, Band 2, Hersg. Heimatverein Borstel e.V., 12/2000, Seite 21/24)