Von der Heuermannschen Windmühle

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Die Holländer-Windmühle in Borstel

Die weithin sichtbare Holländer-Windmühle in Borstel wurde im Jahre 1864 errichtet. Bauherr war Müller Heuermann, der von einer Wassermühle aus Heizendorf bei Bücken kam. Im Anbau befand sich zunächst eine Dampfmaschine, die sicherstellte, dass auch dann Korn gemahlen werden konnte, wenn kein ausreichender Wind wehte. Später erfolgte der Ersatzantrieb; während windarmer Zeiten zunächst mit einem Diesel und danach mit einem Elektromotor. Nach dem vermehrten Einsatz von Elektrizität erhielt die Mühle bald einen Generator zur Stromerzeugung. So kam es, dass einige Haushalte im Nahbereich der Mühle bereits ab dem Jahre 1918 über elektrische Beleuchtung verfügen konnten.
Am Ende des Zweiten Weltkrieges (1945) wurde das Wohnhaus der Familie Heuermann durch Bomben weitgehend zerstört, die Mühle blieb jedoch unversehrt. Der Mühlenbesitzer Heinrich Heuermann kehrte aus dem Kriege nicht mehr zurück, er Fiel noch im Jahre 1945. Einige Jahre nach Kriegsende verlor die Mühle durch strukturelle Veränderungen ihre Erwerbsgrundlage und wurde stillgelegt. Rasch setzte der Verfall ein. Der Abriss wurde erwogen. Buchstäblich in letzter Minute fand sich ein Käufer, der die Mühle mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde zur privaten Nutzung renovieren ließ. Die Windmühlenflügel wurden erneuert, ebenso die Galerie. Andererseits verschwand das innere Mühlenwerk, auch der Mühlenkopf wurde erneuert. Der äußere Baukörper erhielt durch den neuen Anstrich ein freundlicheres Aussehen. Inzwischen hat der Besitzer gewechselt. Die einzelnen Böden sind zu Wohnräumen ausgebaut worden. So blieb der Ortschaft Borstel ein weithin sichtbares Wahrzeichen erhalten, das an den Mühlentagen zu einer kleinen Rast einlädt.
Meine persönlichen Erinnerungen an die Mühle reichen bis in meine Schulzeit zurück. In den letzten Jahren, das war ab dem Jahre 1934, oblag es mir ab und zu mit dem Pferdegespann zur Mühle zu fahren, dort Korn abzuliefern und dafür andere Futtermittel mitzubringen. Das wuchtige Drehen der surrenden Windmühlenflügel ist mir von daher in Erinnerung geblieben. Auch ist erwähnenswert, dass mein Schwager Karl Stühring längere Zeit dem Mühlenbetrieb vorstand. Später war er gelegentlich im Wassermühlenbetrieb Rotschild in Bötenberg bei Wietzen als Müller tätig. Weiter blieb mir in Erinnerung, dass ich an einem Tag im Frühjahr 1946 Vater auf dem Weg zur Mühle begleitete. Ich hatte auf dem Ackerwagen neben ihm auf einem Sitzbrett Platz genommen. Während der Fahrt teilte ich ihm mit, dass ich die Absicht hätte eine Tätigkeit in Bremen aufzunehmen und deswegen zu den Eltern des Mädchens ziehen wolle, dass ich zu heiraten gewillt sei. Vater nahm meine Offenbarung zur Kenntnis, versäumte aber nicht, mich auf die damit verbundenen Risiken hinzuweisen, da meine Verbindung zu dem Mädchen erst eine kurze Zeit bestehe. Doch die Entscheidung, so meinte er, sei meine persönliche Angelegenheit. Er jedenfalls wünsche mir bei meinem Vorhaben alles Gute.

ERNST SIEDENBEKG
 


(Quellennachweis: Geschichte des Kirchenspiels Borstel, Band 2, Hersg. Heimatverein Borstel e.V., 12/2000,   Seite 225/226)

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