Gemeinde Borstel, Ortsgeschichte
Aus der Geschichte unserer Heimat

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Auf der Suche nach der ältesten Urkunde von Borstel findet man im Hauptstaatsarchiv Hannover ein Pergament mit zwei erhaltenen Wachssiegeln der Grafen Gerhard und Otto von Hoya aus dem Jahre 1302.
 
Alte Ansichtskarte aus Borstel

Bei der genauen Übersetzung des lateinischen Textes stellte sich heraus, dass es dabei auf Veranlassung des Herzogs Otto von Braunschweig um die Rückgabe aller früher vom Herzog von Sachsen erteilten Lehen an die Grafen von Hoya geht. Bei der Aufzählung der Lehnsgüter wird auch ein „domus in borstolde" erwähnt. Zu jener Zeit stellt „domus" eine befestigte Anlage dar, die gegenüber den ungenannten bäuerlichen Lehmhütten ausdrücklich hervorgehoben wird. Als Gegenleistung verpflichten sich die Hoyaer Grafen zur Heerfolge. Aus der Urkunde ergibt sich also, dass der Ort Borstel bereits längere Zeit vorher bestanden haben muss. Wann die erste Benennung erfolgte, ist nicht mehr zu ermitteln.

Die Dorfchronik von Kirchdorf erwähnt (S. 59) die Fußnote einer Urkunde des Klosters Nendorf vom 7.12.1287, wonach als Parochie unter dem Archidiakonat zu Lo (Marklohe) auch Borstel genannt wird.

Aus dem Mittelalter stammt auch ein Bericht des Klosters Schinna (gegr. 1148), wonach das nördlich gelegene unwegsame Sumpfgebiet mit Hilfe der Mönche mühsam besiedelt wird. Man war durch die Zunahme der Bevölkerung gezwungen, auch auf weniger guten Böden Siedlungen anzulegen. Allerdings mussten Ackerflächen (Geest), Weideland (Niederung), Wasser und Holz vorhanden sein. Es mag sein, dass solche verhältnismäßig günstigen Gegebenheiten zur Gründung Borstels in der „Heimat" und später an der heutigen Stelle geführt haben.

Der Überlieferung nach sollen die Bewohner wegen räuberischer Überfälle zunächst ins Moor geflüchtet sein, um ihre Häuser später in geschlossener Form am Geestrand neu aufzubauen (Ostteil des heutigen Ortskerns). Dabei kann der Kirchplatz nach dem Bau der Kirche im 13. Jahrhundert durchaus als Verteidigungsanlage eine Rolle gespielt haben.
Als gegen Ende des 17. Jahrhunderts das Holz zum Heizen knapp wurde - ähnlich nach dem 2. Weltkrieg -, hatten die Moordörfer ihre große Zeit. So hieß Borstel im Volksmund lange Zeit das „Torfborstel" oder „Torfbössel".

1530 gehören bereits 30 Höfe zum Kirchspiel Borstel. Graf Otto von Hoya (verst. 1582) erlaubte den Gebr. von Münchhausen die Jagd bis zum „Borsteler Heck".

In das Licht der allgemeinen Landesgeschichte rückt Borstel durch eine Schlacht im Jahre 1462, die in der Nähe des Ortes, auf der Borsteler Heide stattfand. Anlass der kriegerischen Auseinandersetzung waren die beiden Oldenburger Grafen Moritz und Gerhard, die sich nach dem Tode ihres Vaters nicht über die Teilung des Erbes einigen konnten.

Während des 30-jährigen Krieges (1618-48) muss hier eine böse Krankheit, vermutlich die Pest, geherrscht haben, an der viele Einwohner gestorben sind. Die Kirche kaufte 1625 Notholz zur Herstellung von Särgen an. Außerdem wird von einer sogenannten „Sterbebruderschaft" berichtet, die auch an anderen Orten bei Epidemien gebildet wurden. Beherzte Männer verpflichteten sich, die Toten aus den Häusern zu holen und zu bestatten. Anlass dieser Not war hier offenbar die Belagerung Nienburgs durch Tilly (1625 - 1628). Über Tillys Truppen in Borstel wird berichtet: „Dem Dietrich Meyer in Borstel schlugen Bewaffnete die Schulter entzwei, der Tochter des dortigen Pastors die Hüfte".
Im Jahre 1633 registrierte man in Borstel 25 Höfe. Im Kirchspiel wohnten 1682 bereits 400 Personen.

Von einsetzenden Reformen in 19. Jahrhundert profitierten die Borsteler Bauern insofern, als sie 1833 durch Gesetz „frei" wurden, frei von der Zehntlast 1840. Es folgten die Gemeinheitsteilungen zwischen den Gemeinden und die Teilungen und Verkoppelungen innerhalb der Gemeinden 1866 und 1899.

Alten Urkunden zufolge soll die Personenpost bereits im Jahre 1791 von Hannover über Nienburg („Posthof") - Sulingen - Diepholz - Bohmte gefahren sein. Mit Sicherheit ist ein Brückenzoll an der Siede erhoben worden. Aber auch in Borstel selber befand sich eine Zollstation. Das noch erhaltene Zollhaus wurde etwa 1830 erbaut. Um 1860 muss die Poststation mit Pferdewechsel in der Dorfmitte eingerichtet worden sein.

Das Jahr 1918 brachte dem Dorf Borstel die erste Stromversorgung. Die elektrische Energie lieferte zunächst die Borsteler Mühle. 1921 erfolgte der Anschluss an das Überlandnetz.

(Quellennachweis: Geschichte des Kirchenspiels Borstel, Band 1, Hersg. Heimatverein Borstel e.V., 12/1990, Seite 17 bis 25, Auszüge)

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